In Mainz
Gleichzeitig in Mainz suchte ich nach einer christlichen Gemeinde, wie ich sie in meiner Teenager- und Jugendzeit mit unserem Hausmeister erlebt hatte. Gott sei Dank wurde ich fündig. Die christliche Gemeinde nahm mich auf aber, ich war sehr kaputt. Über ein paar Monate mit mir war es turbolent geworden. Einige wollten das ich gehe. Das kann ich niemanden dort verübeln, da ich wirklich sehr kaputt war und keinerlei Sozialkompetenz hatte um mit gestandenen Erwachsenen umgehen zu können. Die Gemeinde beschloss, das es eine gute Idee sei, wenn ich in eine andere Gemeinde gehen würde. Sie hatten da auch eine spezielle im Kopf, die „Eher zu mir passen würde“. Ich kannte weder diese Gemeinde noch konnte ich mit dem Begriff „Pfingstgemeinde“ etwas anfangen. Daher zog es mich nicht unbedingt dahin. Aber aus dieser Gemeinde, die mich los werden wollten, war mir eine Frau verblieben, die mir eine gute Freundin wurde.
Ohne eine christliche Gemeinde kam ich mir etwas verloren vor. Sollte ich jetzt so tun als würde es kein übernatürlich geben? Als wäre das alles nichts weiter als Ideen ihrer Zeit gewesen? Durchaus berechtigt, aber nicht vollständig, da das Leben doch andere Bücher schreibt? Nein das ging nicht. Ich konnte auch nicht meine Gaben verleugnen. Ich dachte an das Gespräch mit meiner Oma zurück und mein Interesse, dem nachzugehen, wuchs wieder an.
Meine Suche sollte beginnen, wo sie oft beginnt. Ich kaufte mir ein Buch. Es ging um übernatürliche Wahrnehmungen. Was sonst, irgendwie muss man ja auf die Lösung kommen. Laut dem Buch ging es vielen Menschen so, und man könne dies, das und jenes trainieren, um noch stärker wahrzunehmen. Die Übungen machte ich und es klappte.

Thematisch zog es mich auf einmal Richtung Wahrsagerei. Keine Ahnung, warum. Aber bei dem Thema merkte ich wieder die komischen Schatten, die irgendwie nicht gut waren. Aber etwas in mir hielt daran fest, wollte weitergehen. Es war mehr als mein Forschergeist, es war … wie eingeflüstert: Mach das. Geh weiter. Das wird alles klappen. Was auch immer ich mir wünschte. Angezogen von der Befriedigung verschiedener Punkte der Gier habe ich mich mit freiem Willen darauf eingelassen.

Die Stimmen waren so verführerisch. Mein Interesse ging in diese Richtung und es fühlte sich irgendwie gut an. Nur … nicht richtig.

Dunkelheit
Was soll ich sagen? Man gewöhnt sich an die Schatten. Bis man sie um sich herum nicht mehr als Bedrohung wahrnimmt. So zogen sie mich immer tiefer in den Sog, bis in den Okkultismus hinein. Es kam mir aber nicht so vor wie ein negativer Sog, eine Bedrohung oder wie ein dunkler Sumpf, der mich immer tiefer zog. Ich merkte, dass ich das wollen musste. Buch um Buch vermehrte ich mein Wissen über okkulte Praktiken und wurde irgendwie anders. Menschen waren für mich eher Gegner geworden. Nicht das ich bis dato Menschen gemocht hätte, aber dann… wurde es eklig in mir.

Das passte ganz gut zu meinen inneren Wunden, die wie Schmeicheleinheiten von der Dunkelheit erfuhren … hier bist du sicher. So fühlte es sich gut an, aber wie wenig sicher ich war, konnte ich nicht erahnen.

Dennoch fühlte ich mich irgendwie noch, ja, Jesus-mäßig verbunden. Und dachte sogar, dass ich noch Christ sei. Was ein Christ wirklich war, wusste ich auch nicht. Aber das Ding aus meiner Kindheit, „nicht ohne Gott sein zu wollen“, verließ mich nicht. Aber mein Weg führte mich erst in die andere Richtung. Ich lernte Séancen kennen, aus Büchern. Nie war ich in diesem Thema mit anderen verbunden.

In spannenden Büchern sollte ich lernen, wie man Dämonen anrief. Was auch immer Dämonen waren, war mir nicht so klar. Dass sie gefallene Engel sind, die die Menschen hassen und sie in der Hölle schmoren und gequält sehen wollen, das war mir so nicht klar. Der Gedanken das mein Gang in den Okkultismus damit zusammen hing, das die Gemeinde mich nicht mehr wollte, ist naheliegend. Ich dazu nichts sagen, weil ich mir nie Gedanken darüber gemacht habe. Aber ich glaube eher nicht.
Was wollte ich eigentlich vom Leben und gelange ich dahin? Ich wollte Macht, einfach Macht. Und die Kraft die okkulten Dinge zu tun, von denen ich viel gehört habe. Telepathie, Telekinese und so viel mehr. Ich wollte Menschen bezaubern und Macht über sie haben. Macht hatte ich kennengelernt in meiner Kindheit. Man hatte Macht über mich. Keine Liebe, es war irgendwie Macht. Macht nix. Ich glaubte in einer Welt zu leben, indem es irgendwie eine gute Idee war, Macht über andere zu haben. Macht über andere haben zu wollen, zeigt einem ja eher wie klein man selbst ist. Zu dererlei Denksportaufgaben war ich damals nicht in der Lage gewesen. Aber es ist nun mal so, was man in der Kindheit lernte, greift tief in die Seele rein und es nur schwer sich von diesen Strukturen und Mustern zu lösen. Macht war das worauf es ankam. Andere zu beeindrucken und irgendwie die Anerkennung zu suchen, die so schmerzlich fehlte. Wo ich hinkam, gab es irgendwann immer nur Ärger. Ich hatte dem Leben nichts vorzuweisen. Keine Ausbildung, nichts. Also, wenn es nicht möglich war, innerhalb von 5min ein Rockstar zu werden, dann sah ich meine Chance indem was ich nun vor hatte. Eine Séance. Eines Tages würde ich eine machen und das würde mein Leben verändern.

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